Schreihals Sprache und Gedanken

Schreihals  Sprache und Gedanken

Der große Philosoph und Stilist Arthur Schopenhauer sagte: „Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“ Das war im 18. Jahrhundert. Heute sind die Worte ungewöhnlich – und viele sagen nur gewöhnliche Dinge. Die Worte des 21. Jahrhunderts sind Superlative. Wir machen Eigenwerbung mit Fremdwörtern, die wir selbst nicht verstehen, die viele falsch gebrauchen und die nichts sagen (siehe im Wörterbuch des Aufschneiders). Wohin man schaut – GROßBUCHSTABEN und Ausrufezeichen!!!!! Überall heißt es: Wir sind die Besten, wir sind günstiger. Alles ist exklusiv, qualitativ hochwertig (Dummdeutsch) und geil.

Wir schreien beharrlich und merken es nicht. Die Werbung brüllt uns ins Gesicht. Informationen liefert sie nicht. „Wieder Super-Samstag“ (wissen wir), „knallhart kalkuliert“ (meist nur 2 Cent günstiger), „alles muss raus“ (weil es Schrott ist?), „nur noch diesen Samstag“ (sagen die jedes Mal). Allgemeinplätze wohin man schaut und hört.

Wer sonst nichts zu bieten hat, wird laut. Ist auch einfacher, als sich etwas Neues einfallen zu lassen. Getreu der Radio-Kampagne: „Geht ins Ohr, bleibt im Kopf“. Im Ohr verursacht solche Werbung schon Schmerzen, im Kopf bleibt sie nur negativ. Der Inhalt beleidigt den eigenen Intellekt und spricht primitive Triebe an, die wir vor 2 Millionen Jahren abgelegt haben. Wieso die Menschen nicht zum Schmunzeln bringen? Die Menschen wollen unterhalten werden – nicht für dumm verkauft. Werbung muss nicht ins Lächerliche getrieben werden. Aber Humor, Ironie, auch Sarkasmus und vor allem Wortwitz zeigen: hier hat sich jemand etwas einfallen lassen, das weit hinausgeht über „PORPHYR BODENPLATTEN-GRAU-FÜR ACHT EURO!!!!!!!!“. Nun muss man nicht aus jeder Information einen Witz machen. Viele Produkte oder Dienstleistungen eignen sich nicht für Ironie und Spott. Dann sind leise Töne angebracht und Zurückhaltung.

Gingen die Menschen nach dem Gehalt der Werbung, wären viele Anbieter schon Pleite. Dabei müssten wir die Werbung geradezu als Spiegelbild des Unternehmens sehen. Wie die Werbung, so das Unternehmen. Werbung Mist = Unternehmen Mist. Und Mist möchte keiner, braucht auch keiner. Die Unternehmen betrachten sich anscheinend selbst nicht im Spiegel. Diese Schamgrenze wagen auch sie nicht zu überschreiten. Die Leidtragenden sind wir.